Ich habe lange geglaubt, dass ich als Yogalehrerin vor allem eins liefern muss: gute, abwechslungsreiche Stunden, die meine Teilnehmer*innen fordern und begeistern. Also habe ich versucht, genau so zu unterrichten, denn auf Social Media wird einem genau das ausgespielt. Flows, die kreativ sind, schnell und ein Wow-Gefühl hinterlassen.
Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass mich das selbst ganz stark unter Druck setzt und auch meine Teilnehmer*innen oft mehr beschäftigt waren, mir zu folgen, als wirklich bei sich zu bleiben. Also habe ich angefangen, genauer auf meinen Unterricht, auf meine Art zu arbeiten und auf das, was ich eigentlich vermitteln möchte, zu achten.
Der Weg dahin war nicht geradlinig und (Achtung Spoiler) es gab nicht diesen einen großen Moment der Erleuchtung. Sondern es war geprägt von Ausprobieren, Zweifeln, Vergleichen und vielen kleinen Anpassungen, die ich über die Zeit etabliert habe oder eben nicht.
So hat mein Weg angefangen – und warum er mich eher gestresst hat
Zu Beginn meiner Zeit als Yogalehrerin hatte ich meine Stunden bis ins Detail geplant. Mein Zettel war voll und ich habe es selten geschafft, alles unterzubringen, was in meinem Kopf so herumschwirrte. Das hat mir Druck gemacht und ich hatte das Gefühl, ich bin zu langsam und müsste meine Teilnehmer*innen mehr fordern.
Ich habe Inhalte übersprungen und wenig darauf geachtet, an welchem Punkt meine Schüler*innen gerade stehen und was sie wirklich von mir brauchen. Dadurch wurde es schnell zu viel und auch meine Stimme war eher fordernd als ruhig, denn ich wollte, dass alle mitkommen.
Während Corona habe ich viel über YouTube praktiziert und Lehrerinnen wie Mady Morrison waren für mich ein Vorbild. Auch auf Instagram habe ich viele schnelle, kreative Flows gesehen und mein Bild von Yoga wurde dadurch geprägt. Also war klar, dass genau das die Leute bei Yoga möchten, und ich habe meine Stunden entsprechend der Vorstellungen aus Social Media geplant und umgesetzt.
Ich habe viele Asanas eingebaut, oft ohne klaren Fokus, denn mir war wichtiger, dass es abwechslungsreich aussieht. Die Übergänge waren teilweise kompliziert, das Tempo hoch, und ich habe auch mit Drehungen und Richtungswechseln gearbeitet. Wenn ich auf diese Anfangszeit zurückblicke, sehe ich, dass es mir vor allem darum ging, mich als Yogalehrerin zu beweisen (Imposter-Syndrom lässt grüßen).
Während dieser Stunden war ich häufig bei meinem geplanten Flow und habe überlegt, was als Nächstes kommt und ob alles aufgeht. Doch mir sind auch die Blicke meiner Teilnehmer*innen aufgefallen und wie sie manchmal einfach überfordert waren. Genau wie ich.
Auch die Rückmeldungen waren deutlich, denn es gab Erschöpfung, Muskelkater, überforderte Gesichter, und ich selbst war nach den Stunden leer und fühlte mich gehetzt.

Der Wendepunkt
Wenn du jetzt glaubst, dass es einen bestimmten Moment im Unterricht gab, der mich zum Nachdenken brachte, muss ich dich enttäuschen. Diesen magischen Augenblick gab es nicht, sondern es war eher ein Prozess, den ich in den letzten Jahren durchlaufen habe.
Mit meiner Arbeit als Dozentin bei BIEK habe ich angefangen, Dinge anders zu machen, und die Seminarteilnehmer*innen haben mir gezeigt, dass hier definitiv Tempo und Grazie fehl am Platz sind. In den Seminaren habe ich verschiedene Methoden eingesetzt und gemerkt, was funktioniert und was ich direkt wieder streichen kann. Einiges davon habe ich dann nach und nach in meinen regulären Unterricht im Studio übernommen.
Parallel dazu habe ich natürlich an Weiterbildungen teilgenommen und mich mit anderen Lehrer*innen ausgetauscht. Das hat meinen Blick auf guten Unterricht maßgeblich verändert und hat meinem Selbstwertgefühl unheimlich gutgetan, weil ich gesehen habe, wie unterschiedlich Unterricht aussehen kann und dass es nicht immer der besonders anspruchsvolle Flow sein muss.
Was mich am meisten gestört hat, war diese leise Stimme in meinem Inneren, die gemerkt hat, dass dieser schnelle Unterricht nicht zu mir passt und ich doch etwas anderes ausprobieren sollte. Ich habe gemerkt, dass ich gegen meine Art zu arbeiten unterrichte, und das hat sich nicht stimmig angefühlt. Meine Zweifel gingen sogar so weit, dass ich überlegt habe, alles hinzuschmeißen und wieder als Angestellte im Büro zu arbeiten. Trotzdem habe ich lange gezögert, denn die Bilder aus Social Media waren präsent und hatten sich in meinem Kopf festgesetzt.
Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich so nicht weiter unterrichten möchte, und ich habe angefangen, mich auszuprobieren, Stunden von anderen Yogalehrern besucht, mich auf verschiedene Stile eingelassen und diese in meinen Unterricht eingebaut. Dabei habe ich gelernt, dass ruhige Stunden mir liegen und ich sie klar anleiten kann und dabei präsent bleibe. Ich fühle mich sicherer und die Stunden werden tiefer, und ruhiger, und ich kann auf die Bedürfnisse meiner Teilnehmer*innen eingehen.
Eine der ersten Veränderungen, die ich vorgenommen habe, war der Anfang der Stunde. Ich habe mir Zeit genommen, meine Teilnehmer*innen ankommen zu lassen, mit einer kurzen Meditation und einer Intention für die Stunde. So kann sich jede*r zunächst auf der Matte einrichten und sich auf die Yogapraxis auch im Geist vorbereiten.
Ein großer Schritt in meiner Entwicklung kam während meiner Zeit auf Zypern, wo ich die 300-H-Ausbildung abgeschlossen habe. In der Ausbildung habe ich intensiv mit HandsOn gearbeitet, konnte mich ausprobieren und viele verschiedene Techniken kennenlernen und das direkt in meinen Unterricht integriert.
So unterrichte ich heute
Ich habe nicht von heute auf morgen alles anders gemacht, sondern es waren viele kleine Veränderungen, die sich nach und nach in meinen Stunden gezeigt haben. Heute unterrichte ich ruhiger, bin fokussiert und ganz bei meinen Teilnehmer*innen als noch vor ein paar Jahren.
Ich lasse mehr Zeit zum Spüren
Ich lasse meinen Teilnehmer*innen viel mehr Zeit, um anzukommen. In ihrer Haltung, im Körper und der Atmung. Die Positionswechsel sind klarer und die Variationen deutlich reduziert. Denn genau dann merken sie, wo es arbeitet, wo Spannung sitzt und wo sie loslassen dürfen. Erst durch diese Wahrnehmung und das In-sich-Reinspüren können sich Körper und Geist wieder verbinden.
Ich sehe jetzt viel mehr Ruhe und Konzentration in den Gesichtern meiner Schüler*innen. Die Übergänge werden sauberer ausgeführt, weil wir Zeit haben, Technik und Fragen zu klären. Und ja, bei mir darf auch geflucht und gelacht werden, denn gerade daraus entstehen oft die Momente, in denen sich etwas löst und es zur individuellen Praxis wird.
Ich kombiniere Bewegung und Ruhe
Flows nutze ich immer noch gerne als Einstieg, um Energie und Spannungen zu lösen, oder als Verbindung von einer Asana in die andere. Doch der Schwerpunkt liegt mittlerweile auf den ruhigeren Phasen. Die anfängliche Bewegung hilft vielen, im Körper anzukommen, und dadurch fällt es ihnen leichter, in den Haltungen präsent zu bleiben.
Wenn du dich lieber mal stärker auspowern möchtest, findest du dafür die Gelegenheit in meinen Inside-Flow-Stunden.
Ich arbeite mit kleinen Impulsen
Am Anfang der Stunde gebe ich oft eine Frage oder Intention mit, die du während deiner Praxis immer wieder aufgreifen darfst. Zum Beispiel war in einer meiner letzten Stunden die Frage: „Warum bist du heute hier?“. Die Antworten können hier ganz unterschiedlich ausfallen. Manche kommen, weil sie sich bewegen möchten, Ruhe suchen in ihrem trubeligen Alltag oder an ihrer Flexibilität arbeiten möchten. Gerne darfst du dich auch mal fragen, warum du auf die Matte gehst. Was ist dein Grund für Yoga?
Wenn du dir allein diese Frage stellst, verändert sich schon etwas mit deiner Sicht auf die Matte und den Unterricht.
Die Themen, die ich anspreche bzw. Impulse gebe, sind nah am Alltag. Es geht um Körperwahrnehmung, Atmung, Spannung und Entspannung oder Stabilität. Alles, was wir in unserem Leben brauchen, und manchmal den Bezug zu verlieren. Manchmal reicht ein Gedankenanstupser von mir, der hängen bleibt und dann in deinem Alltag wieder auftaucht und dich innehalten lässt.
Ich nutze HandsOn gezielt
Was ich auf Zypern so richtig kennen und lieben gelernt habe? HandsOn!
Diese Technik setze ich vor allem in ruhigen Momenten im Unterricht ein und setze natürlich die Bereitschaft meiner Teilnehmer*innen dafür voraus. Wenn du nicht möchtest, dass ich dich direkt mit Körperkontakt unterstütze, ist das völlig in Ordnung für mich und ich wahre deine persönliche Grenze. Vor allem im Shavasana, in der liegenden Drehung, im Kind oder auch in längeren Haltungen wie dem herabschauenden Hund oder Krieger II nutze ich HandsOn um meine Teilnehmer*innen zu unterstützen, ihnen die Bewegungsrichtung zu weisen oder eine Tiefe zu ermöglichen, die sie allein nicht erreichen können. Dabei arbeite ich mit kleinen Impulsen, gebe dir eine Richtung bzw. einen Hinweis, wo die Asana hinführen kann, und du bleibst ganz in deinem Bewegungsspielraum.
Viele meiner Schüler*innen kommen dadurch tiefer in die Haltung, ohne dass ich aktiv korrigiere, sondern aus eigener Kraft. Im Shavasana oder im Kind kann ein sanftes Nachgeben der Schultern oder des Beckens dazu führen, dass der ganze Körper mehr loslässt und sich länger oder schwerer anfühlt.
Diese Technik passt zu meiner Arbeit mit dem Nervensystem und ich ergänze hier einen wichtigen Punkt, nämlich die Entspannung. Meine Teilnehmer*innen sollen sich sicher fühlen und zur Ruhe kommen dürfen. Genau hierfür schaffe ich den Raum und halte ihn, damit du loslassen darfst.

Was sich dadurch verändert hat – bei meinen Teilnehmern und mir
„Das war die beste Yogastunde, die ich je bei dir hatte.“ Genau diese Worte hat eine Teilnehmerin nach einer der letzten Stunden mit HandsOn zu mir gesagt. Sie konnte sich richtig fallen lassen und hatte eine intensive Praxis. Das gibt mir das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.
Auch das Feedback, dass die Berührungen im HandsOn klar sind und Orientierung geben, ist für mich so wertvoll, denn genau dann weiß ich, dass ich dich als Teilnehmer*in unterstütze und begleite. Die Atmosphäre in den Stunden hat sich dadurch verändert. Es ist ruhiger geworden und auch die Musik passt jetzt zu den einzelnen Sequenzen und unterstützt entsprechend die Übergänge hin zu Shavasana am Ende.
Ich bin präsenter bei meinen Teilnehmer*innen im Raum und sehe genau, wer meine Unterstützung vielleicht braucht und wo gerade Ruhe benötigt wird. So darf jede*r in den Stunden mehr bei sich ankommen und am Ende schwer und entspannt auf die Matte sinken.
Auch bei mir selbst habe ich eine Veränderung bemerkt. Ich unterrichte ruhiger, und klarer, und gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass ich meinem persönlichen Stil immer näher komme. Ich weiß, dass ich noch nicht am Ende angekommen bin und vielleicht auch niemals ankommen werde, doch ich freue mich darauf, meine Schüler*innen auf diese Reise mitzunehmen.
Ein Moment ist mir besonders im Kopf geblieben: Eine Teilnehmerin hat beschrieben, wie sie am Anfang der Stunde noch die Anspannung des Tages im ganzen Körper spürt und am Ende liegt sie schwer auf der Matte und kann loslassen. Dieses Gefühl nimmt sie mit in ihren Alltag und freut sich daher immer wieder, zu mir auf die Matte zu kommen.
Was ich gerne früher gewusst hätte
Guter Unterricht ist individuell und jeder Lehrer setzt andere Schwerpunkte. Genauso bringt jede*r Teilnehmer*in eigene Erfahrungen und Wünsche mit.
Mein Unterricht wird nicht allen Menschen passen, und das ist auch gut so, denn nur so gibt es diese Vielfalt an Yogaunterricht und kann jede*r Lehrer*in sich ausprobieren und ihre Nische finden. Ich probiere mich auch aus, bin neugierig und entwickle mich weiter.
Für mich bedeutet guter Unterricht mittlerweile, meine Schüler*innen wirklich zu sehen, ihren Körper zu respektieren und ihnen den Raum zu geben, den sie gerade brauchen.
Ich würde meinem früheren Ich sagen: Mach dein Ding und hör auf, dich ständig zu vergleichen und auf Social Media abzuhängen. Du brauchst keine zehn Zertifikate, sondern Erfahrung mit Schüler*innen, denn die lehrt dich mehr, als jede Weiterbildung es könnte. Fehler gehören dazu und entscheidend ist, dass du hinschaust und daraus lernst.
Jeder Körper ist auf wundersame Weise anders und jeder Stil hat seine eigene Auslegung. Solange achtsam und mit Respekt gearbeitet wird, gibt es Raum für viele unterschiedliche Wege, Yoga zu unterrichten.
Heute arbeite ich klarer, ich konzentriere mich auf das, was gerade wichtig ist, und verzichte auf Dinge, die gegen meine innere Überzeugung sind.
Wenn du dich in dem wiedererkennst und dir genau diese Art von Yogastunde wünschst, dann bist du in meinem Einsteigerkurs am Donnerstagabend genau richtig. Dort leite ich dich in einem ruhigen Tempo an, mit klaren Hinweisen und genug Zeit, damit du wirklich bei dir ankommen kannst. Du brauchst keine Vorkenntnisse, sondern nur die Bereitschaft, dir diese Zeit für dich zu nehmen.
Wenn du magst, schau dir den Kurs gerne an. Ich freue mich, dich auf der Matte zu begleiten.


